Solweig de Barry
18.05.2024 bis
08.09.2024
Eröffnung: Fr, 17. Mai, 19 Uhr

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Zu den besonderen Qualitäten der Malerei von Solweig de Barry (*1987 in Straßbourg, lebt und arbeitet in Berlin) gehört die Balance zwischen Andeutung und Ausformulierung, zwischen konzeptueller Distanz und Intuition, zwischen Gegenständlichkeit und Abstraktion.

Die Künstlerin nutzt zunächst private Fotos als Ausgangspunkt für ihre Arbeiten. Sie bearbeitet diese Motive in einem Prozess der Dekonstruktion zunächst im zeichnerischen Medium auf dem Papier und dann auf der stets weiß grundierten Leinwand. Die auf dem Foto befindlichen Bildmotive werden im Prozess der Transformation abstrahiert, neu zusammengesetzt oder teilweise schlicht weggelassen. Es entsteht eine fragmentarische, gestische Malerei der Andeutung und formaler Präsenz. Dabei gibt sie Einblicke in den Arbeitsprozess, Korrekturen und Übermalungen sind sichtbar. Der Schöpfungsprozess ist sichtbar und bleibt doch rätselhaft. Die intellektuelle Befragung von Malerei nach ihren Motiven, Farbflächen, Formen und Linien, dem Malprozess und deren Gesten findet außerdem Niederschlag ihn ihren ernsthaften wie spielerischen Materialexperimenten.  In Heilbronn wird sie ca. 20 Leinwandarbeiten zeigen.

Außerdem realisiert sie eine große ortsspezifische Malerei auf den großen Fensterscheiben des Kunstvereins. Solweig de Barry hat für diese Arbeit nach einer Möglichkeit gesucht, Malerei auf Glasscheiben in Situ zu realisieren, deren Farbe den gleichen transluziden Effekt wie die klassische Glaskunst aufweist, denn die meisten handelsüblichen Farben, wie z. B. Fingerfarben oder Lacke, die auf Glasscheiben aufgetragen werden, werfen einen grauen oder schwarzen Schatten auf den Boden. Das Verfahren, das sie nun durch Experimentieren mit Farben und Lacken für die Glasmalerei entwickelte, eröffnet die Möglichkeit, die zweidimensionale Malerei in den Raum zu erweitern, mit Spiegelungen und Wiederholungen zu arbeiten, die Bewegung der Sonne und des Lichts zu integrieren.

One of the distinctive qualities of Solweig de Barry’s painting (*1987 in Strasbourg, lives and works in Berlin) is the balance between suggestion and formulation, conceptual distance and intuition, between representation and abstraction.

The artist uses personal photographs as the starting point for her works. She works on these motifs in a process of deconstruction, initially as drawings on paper and then on the white primed canvas. The pictorial motifs on the photographs are abstracted, reassembled or, in some cases, simply omitted in the process of transformation. This results in a fragmentary, gestural style of painting that is at once suggestive and formally present. She thereby provides insights into the working process, allowing corrections and overpainting to be seen. The creative process is visible and yet remains rather enigmatic. The intellectual exploration of painting in terms of its motifs, color surfaces, forms and lines, the painting process and the respective gestures is furthermore reflected in her serious and, at the same time, playful experimentation with materials. In Heilbronn she shows ca. 20 paintings.

The exhibition in Heilbronn will present works on canvas as well as a site-specific painting on the large window panes of the Kunstverein. Solweig de Barry sought to find a way to realize this painting on glass panes in situ with paint that has the same translucent quality as classic glass art, because most commercially available paints, such as finger paints or varnishes, applied to glass panes actually cast a grey or black shadow on the floor. The process for glass painting that she has now developed by experimenting with paints and varnishes opens up the possibility of extending two-dimensional painting into the space, working with reflections and repetitions, while integrating the movement of the sun and the light.