Jan Dibbets

Horizons

26.03.2011 bis
29.05.2011

In der Vorweihnachtszeit 1969 konnten sich die Fernsehzuschauer des WDR zum Sendeschluss an einem 3-minütigen flackernden Kaminfeuer auf dem Bildschirm erfreuen. Es war die Arbeit „As a fireplace” des 1941 in den Niederlanden geborenen Jan Dibbets und gehörte zu einer Reihe nicht angekündigter und unkommentiert gesendeter künstlerischer Interventionen im Fernsehen. Dabei hat dieses kleine Stück Fernsehgeschichte geschrieben und ist später wieder und wieder kopiert worden.

Ebenfalls zu Beginn der 1970er Jahre hatte Jan Dibbets mit seiner Serie „Dutch Mountains” erste Reputation erlangt. Das waren fotografische Konstruktionen in denen der für die Niederlande typische, flache Horizontverlauf in eine sanfte Hügellinie transformiert wurde.

Beide Arbeiten, das künstliche Feuer wie die „Dutch Mountains”, gründen im feinsinnigen Humor des emeritierten Professors der Düsseldorfer Akademie.

In seinen 2007 entstandenen Arbeiten „Horizons”, die wir jetzt im Kunstverein Heilbronn zeigen, greift Jan Dibbets das Thema des Horizonts nochmals auf. Nun setzt er die Horizontlinie aus zwei Fotos neu zusammen, die beide den Horizont beschreiben – einmal über dem Land und einmal über dem Meer. Über beiden ist der gleiche blaue Himmel zu sehen, und beide Horizontlinien bilden eine gemeinsame Gerade. Eine Situation, wie sie sich in der Natur niemals darstellt. Die Landschaftsfotografien werden immer wieder verschieden zusammengesetzt, so kippt der Horizont aus der Ebene, oder aus dem zusammengesetzten Land werden geometrische Figuren beziehungsweise fügen sich die beiden Fotos zu einer unregelmäßigen Form.

Wir haben es dabei in doppelter Weise mit einem Problem von Bild und Abbild zu tun: Zum einen geht es um die Verbindung der Gegenpole Abstraktion und Realismus, zum andern erleben wir ein Spiel mit den Kompositionsmöglichkeiten zweier Quadrate.

Schon Piet Mondrian entwickelte seine Abstraktion, die Auseinandersetzung mit den Kompositionsmöglichkeiten von Quadrat, Rechteck und Linie, aus einer Beschäftigung mit der Natur. Diese ist in seinen abstrakten Werken allerdings nicht mehr nachvollziehbar.

Dass Jan Dibbets das Vexierspiel zwischen Realismus und Abstraktion mit dem Medium Fotografie bearbeitet, ist kunsthistorisch sein Beitrag und zeigt über viele Jahre seine erstaunliche konzeptuelle Stringenz.

„(…) ihm gelingt es meisterhaft, die Ambivalenz fotografischer Bilder vorzuführen, zwischen behaupteter Wirklichkeitstreue und Bildkonstruktion, zwischen Indexikalität und völliger Bezugsverweigerung. Und was sich in der Beschreibung so erdenschwer und theorielastig liest, kommt bei ihm ganz nonchalant daher. Sein Ansatz borgt sich viel von seinen Bildern, erfolgt er doch mit der Leichtigkeit eines Sommertages am Meer. Selten war Konzeptkunst so entspannt”, schreibt etwa Sven Beckstette, in: Die schönste aller Linien, artnet, am 7. Juli 2010.

Zu unserer Ausstellung in Kooperation mit dem Musée d’Art moderne de la ville de Paris, dem Gemeentemuseum Den Haag und den Kunstsammlungen Chemnitz ist 2010 in der Snoeck Verlagsgesellschaft (www.snoeck.de), Köln, ein Katalog in einer niederländisch/französischen sowie deutsch/englischen Ausgabe erschienen.